Update 2026: ZEP! Zentraler Erdungspunkt richtig umsetzen

Danke für das grosse Interesse am Beitrag zum zentralen Erdungspunkt (ZEP) und für das viele Feedback aus der Praxis 🙌 Diese Inputs sind extrem wertvoll, weil sie die Theorie konsequent mit der Realität im Feld verbinden.

Dieses Update greift die wichtigsten Punkte auf und ergänzt den bestehenden Artikel dort, wo in der Praxis zusätzliche Klarheit sinnvoll ist 🔧

Wer direkt hier gelandet ist, findet den Hauptartikel hier: ZEP! Zentraler Erdungspunkt richtig umsetzen

1. Vierpolige Einspeiseschalter mit nachgelagertem ZEP

💬 Über vierpolige Einspeiseschalter mit nachgelagertem Zentralen Erdungspunkt (ZEP) wird in Fachkreisen häufig diskutiert. Ursache dafür ist die Situation, dass bei geöffnetem Einspeiseschalter der Leitungsabschnitt zwischen Transformator (Quelle) und Einspeiseschalter vom Zentralen Erdungspunkt getrennt wird und sich somit in einem schwebenden (ungeerdeten) Zustand befindet.

⚡ Ein solcher schwebender Leitungsabschnitt ist jedoch nicht per se kritisch oder gefährlich. Zwar ist in diesem Betriebszustand eine automatische Abschaltung im ersten Fehlerfall gegen den Schutzleiter nicht möglich. Aber wer sich mit den Installationsnormen auskennt, weiss: Die automatische Abschaltung ist nur eine von mehreren zulässigen Schutzmassnahmen für den Fehlerschutz. Unter den entsprechenden Voraussetzungen kann der schwebende Leitungsabschnitt als schutzgetrennter Stromkreis betrachtet werden. 😉

4 Poliger Einspeiseschalter
4 Poliger Einspeiseschalter

🛠️ Aber uns ist bewusst, dass solche Diskussionen in der Praxis selten zielführend sind. Deshalb haben wir folgende Praxistipps für den Einsatz von vierpoligen Einspeiseschaltern mit nachgelagertem ZEP zusammengestellt:

  • 🪢Bei Transformatoranlagen empfiehlt sich eine Mitnahmeschaltung auf der Mittelspannungsseite. Dadurch wird beim Öffnen des Niederspannungs-Einspeiseschalters gleichzeitig auch der Transformator auf der Mittelspannungsseite abgeschaltet. Der Leitungsabschnitt zwischen Transformator und Einspeiseschalter wird dadurch spannungslos, wodurch die Diskussion um den schwebenden Leitungsabschnitt entfällt.
  • ⚠️Vor dem Einspeiseschalter keine Hilfsstrom-, oder Steuerstromkreise abgreifen. Der Leitungsabschnitt zwischen Quelle und Einspeiseschalter sollte ein inaktiver, unbelasteter Abschnitt ohne angeschlossene Verbraucher oder Betriebsmittel bleiben.

🔎 Wieso nicht generell einen dreipoligen Einspeiseschalter?

Diese Frage wird häufig gestellt. In der Praxis gibt es jedoch mehrere Gründe, weshalb auch vierpolige Einspeiseschalter eingesetzt werden.

Leistungsschalter 3polig Siemens 3WA
  1. 📏 Ein vierpoliger Einspeiseschalter trennt die Anlage allpolig, einschliesslich des Neutralleiters. Dadurch werden Isolationsmessungen und Wartungsarbeiten vereinfacht, da die gesamte Anlage mit einem Schaltvorgang vollständig freigeschaltet werden kann.
  2. 🇨🇭 Eine Schweizer Besonderheit ist der Einsatz von Neutralleitertrennern neben dem dreipoligen Leistungsschalter. Bis zu Nennströmen von etwa 1600 A ist diese Lösung umsetzbar. Bei grösseren Nennströmen werden Neutralleitertrenner jedoch konstruktiv zunehmend aufwendig und erfordern häufig Sonderlösungen. In solchen Fällen ist ein vierpoliger Einspeiseschalter oft die technisch einfachere und wirtschaftlichere Alternative.

Kleiner Exkurs zum Neutralleitertrenner

Gemäss NIN 4.6.2.2 ist eine Trenneinrichtung im Neutralleiter beim Anschlussüberstromunterbrecher, bei der Bezügerüberstrom-Schutzeinrichtung sowie bei der PEN-Aufteilung im TN-C-S-System vorgesehen. Für andere Trennstellen können auch geeignete Spezialklemmen eingesetzt werden 🔧

In der Praxis werden separate N-Trenner zunehmend kritisch beurteilt ⚠️ Bei älteren Anlagen sind Funktionsprobleme durch Alterung bekannt. Zudem besteht bei fehlender mechanischer Kopplung zu den Aussenleitern ein erhöhtes Risiko für Bedienungsfehler. Als Alternative bieten sich 4-polige, mechanisch gekoppelte Geräte 🔗 oder – je nach Anwendung – Spezialklemmen 🛠️ an.

2. 🌍 Hallo Welt! Sagt der Systemrefrenzleiter

Mit der Einführung des Kapitels 8.2 der NIN 2025 (für deutsche Leser: VDE 0100-802) wird eine ähnliche Fragestellung nun auch für Prosumer’s Electrical Installations (PEI) und inselfähige Erzeugungsanlagen relevant.

⚡ Im Inselbetrieb wird dabei häufig ein neuer Sternpunkt gebildet, der für einen definierten Erdbezug mit der Erdungsanlage verbunden werden muss.

Für diese Verbindung führt die Norm den Begriff Systemreferenzleiter ein. Er beschreibt den Leiter, der einen aktiven Leiter des Systems – in der Regel den Neutralleiter oder Mittelpunktleiter – mit der Erdungsanlage verbindet und damit den erforderlichen Systembezug herstellt.

Besonders interessant ist dabei, dass dieser Leiter abhängig vom Betriebszustand sogar geschaltet werden darf, wie dies heute bereits bei vielen Backup- und Notstromsystemen von inselfähigen PV-Anlagen umgesetzt wird.

Wir hoffen, dass wir euch mit diesem Update ein paar zusätzliche Einblicke geben und offene Fragen aus der Praxis klären konnten. 🙌

Euer SIEMENS Niederspannungsteam der Schweiz 🇨🇭

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